Megaloblastären Anämien: Definition

Autor/en: H. Heimpel
Letzte Änderung: 14.08.2003

Unter dem Begriff der megaloblastären Anämien werden Störungen der Zellreifung und -bildung zusammengefasst, die auf unterschiedlichen Defekten der DNS-Synthese beruhen und mit charakteristischen morphologischen Veränderungen der Zellen im Knochenmark und im peripheren Blut einhergehen. Der Terminus "Perniziosa" bzw. "perniziöse Anämie" sollte nicht mehr als Synonym gebraucht werden; dieser ist inzwischen für die durch einen Vitamin-B12-Mangel bedingten Blutveränderungen reserviert, die auf einen durch Autoimmunität hervorgerufenen Mangel an Intrinsic factor zurückgehen.

Der Terminus "megaloblastär" leitet sich von der erhöhten Anzahl besonders großer Zellen im Knochenmark ab. Dabei handelt es sich überwiegend um frühe Vorläuferzellen der Erythropoese. Diese "Megaloblasten" zeigen charakteristische Anomalien der Kernstruktur. Darüber hinaus sind aber auch die Zellkerne der granulopoetischen Zellen und der Megakaryozyten verändert. Terminologisch ist der historisch gewachsene Begriff der megaloblastären "Anämie" (ähnlich wie derjenige der "aplastischen Anämie") nicht korrekt: Die Verminderung der Erythrozytenzahl bei gleichzeitiger Vergrößerung der Erythrozyten ist zwar der führende Befund, wird aber in allen schweren Fällen von einer Neutro- und Thrombozytopenie im Sinne einer Panzytopenie begleitet!

Die frühzeitige Diagnose dieser Anämieform ist wichtig, da die zwei häufigsten Ursachen - Vitamin-B12-Mangel und Folsäuremangel - durch eine gezielte Therapie komplett korrigiert und neurologisch-psychiatrische Komplikationen verhütet oder im frühen Stadium rückgängig gemacht werden können.

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Normales peripheres Blutbild mit großem Lymphozyten.

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Peripheres Blutbild bei megaloblastärer Anämie. Beachte: Ausgeprägter Größenunterschied (Anisozytose) und unterschiedliche Gestalt (Poikilozytose) der Erythrozyten (Pfeile).