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Ätiologie megaloblastärer Anämien

Autor/en: H. Heimpel
Letzte Änderung: 14.08.2003

Die vier Hauptursachen der megaloblastären Anämie sind:

  • Cobalamin(Vitamin-B12)-Mangel,
  • Folsäuremangel,
  • Medikamente, welche die Folsäureaufnahme hemmen und/oder den Folsäurestoffwechsel stören,
  • Störungen des Folsäurestoffwechsels bei Neoplasien der Hämopoese.
Ursachen des Cobalamin(Vitamin-B12)-Mangels
Vermindertes AngebotUnzureichende Ernährung: langzeitige streng vegetarische Kost
Intestinaler VerbrauchBakterielle Überwucherung ("blind loop"-Syndrom), Befall durch Fischbandwurm
Resorptionsstörung, selektiv für CobalaminFehlen des Intrinsic-Faktors: Perniziöse Anämie, Gastrektomie, hereditär(Imerslund's Syndrom) 
Resorptionsstörung, nicht selektivDarmkrankheiten: M.Crohn, Zöliakie, Ileumresektion, Tropische Sprue, Lymphome im Ileum, Medikamente
VerwertungsstörungenKongenitale Enzymdefekte, Fehlen von Transkobalamin II
Ursachen des Folsäuremangels
Vermindertes Angebot
  • Fehlernährung,
  • Alkoholismus,
  • Säuglinge von stillenden Müttern mit Fehlernährung.
Erhöhter Bedarf
  • Schwangerschaft,
  • Säuglingsalter,
  • Hyperthyreose,
  • chronische hämolytische Anämie,
  • Malignome,
  • exfoliative Dermatosen.
Resorptionsstörung, selektiv für Folsäure
  • Sehr selten: Hereditäre Malabsorption
Resorptionsstörung, nicht selektiv
  • Intestinale Kurzschlüsse durch Anastomosen,
  • Tropische Sprue,
  • Zöliakie,
  • Antikonvulsiva und andere Medikamente.
Erhöhter Verlust
  • Hämodialyse
Medikamente mit metabolischer Hemmwirkung
Dihydrofolatreduktase
  • Methotrexat,
  • Pyrimethamin,
  • Triamteren,
  • Trimethoprim.
Purinsynthese
  • 6-Mercaptopurin,
  • 6-Thioguanin,
  • Azathioprin,
  • 5-Fluorouracil,
  • Fludarabin.
Desoxyribonukleotid-
Synthese
  • Hydroxyurea,
  • Cytosin-Arabinosid
  • Antivirale Medikamente.
Sonstiges
Hereditäre Stoffwechselkrankheiten
  • Lesch-Nyhan-Syndrom,
  • Orotazidurie,
  • Homocystinurie,
  • thiaminresponsive megaloblastäre Anämie
Neoplasien der Hämopoese
  • Megaloblastäre Veränderungen bei Myelodysplasie, bei akuter myeloischer Leukämie, vor allem Erythroleukämie (FAB M6)

Pathogenese des Vitamin-B12- und Folsäuremangels

Siehe unter "Pathogenese".

Medikamente

Zytostika gehören zu den häufigsten Ursachen megaloblastärer Anämien!

Alle Purin- oder Pyrimidinantagonisten, sowie andere Zytostatika, welche die DNS-Synthese hemmen, führen zu megaloblastären Veränderungen im Knochenmark ohne oder mit Anämie. Sie verschwinden meist spontan nach Abschluss der Therapie. Da sie ein Ausdruck der erwünschten zytoreduktiven Wirkung sind, sind sie keine Indikation zur Gabe von Vitamin B12 oder Folsäure.
Eine Ausnahme bildet lediglich die Folinsäure (Leucovorin®)-Gabe nach Hochdosistherapie mit Methotrexat und bei der nichtgeplanten, durch Methotrexatüberdosierung bedingten hämopoetischen Insuffizienz, die z.B. aufgrund von Medikamenteninteraktion bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis vorkommt.

Trimethoprim führt nur in hoher Dosierung oder in Verbindung mit Pyrimethamin zur megaloblastären Anämie.

Andere Ursachen

Die biochemischen Störungen bei der Vielzahl der im frühen Kindesalter manifestierten seltenen angeborenen Enzymdefekte sind komplex und nur teilweise bekannt. Dasselbe gilt für die erworbenen megaloblastären Veränderungen bei hämatologischen Neoplasien.

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