Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Therapie megaloblastärer Anämien

Autor/en: H. Heimpel
Letzte Änderung: 14.08.2003

Vor der Behandlung einer megaloblastären Anämie ist zunächst die Ätiologie zu identifizieren.

Bei einer Patientin mit Vitamin-B12-Mangel könnte die Folsäuregabe zum Anstieg des Hämoglobins führen, das Fortschreiten neurologischer Defekte aber nicht verhindern. Bei einem Patienten mit Vitamin-B12-Mangel mit der Fehldiagnose eines myelodysplastischen Syndroms würde jede Zytostatikatherapie zum Tode des Patienten führen, während durch die Gabe von Vitamin B12 seine Krankheit klinisch geheilt werden könnte.

Vitamin-B12-Mangel

Kausal

Nur selten, z.B. bei bakterieller Besiedelung des oberen Gastrointestinaltraktes möglich.

Medikamentös: Vitamin-B12-Gabe

Medikamentöse Therapie des Vitamin-B12-Mangels
PräparatDosierung und TherapiedauerKontrollenBemerkungen
Cyano-
cobalamin
oder Hydroxy-
cobalamin
 
  • Initial:
    1000 µg Cyano-
    cobalamin tgl., 1-2 Wochen i.m.
  • Dauer-
    therapie:

    500 µg Hydroxy-
    cobalamin halbjährlich.
  • Initial:
    wöchentlich BB, K+ , LDH bis zur Norma-
    lisierung des Blutbildes.
  • Anschlie-
    ßend:

    halbjährlich Blutbild, LDH.
  • Immer parenteral (i.m.)!
  • Bei Perniciosa und nach Gastrektomie lebenslang!

Die sicher unschädliche, längere Initialbehandlung wird bei Patienten mit neurologischen Ausfällen empfohlen, obwohl eine bessere Rückbildung nie gesichert wurde. Der Patient ist bei fehlender ursächlicher Therapiemöglichkeit über die Notwendigkeit einer lebenslangen Behandlung zu informieren.

Strenge Vegetarier, die auch Eier und Milchprodukte ablehnen, sollen prophylaktisch tgl. 10 µg Vitamin B12 oral einnehmen.

Folsäuremangel

Kausal

Mangelzuständen durch Fehlernährung kann bei ausreichender Compliance durch Umstellung auf folatreiche Lebensmittel begegnet werden.
Falls vertretbar, sollten Medikamente, die den Folatstoffwechsel beeinflussen abgesetzt oder in ihrer Dosis reduziert werden.
Bei intestinalen Resorptionsstörungen (z.B. tropischer Sprue) Behebung der Ursache, wenn möglich.

Medikamentös: Folsäure-Gabe

Die übliche orale Substitution erfolgt mit 5 mg/d bis zur Normalisierung des Blutbildes.

Bei schweren Malabsorptionssyndromen kann eine parenterale Substitution notwendig werden, ebenso bei langzeitiger parenteraler Ernährung.

Prophylaxe

Bei nicht korrigierbarer Fehlernährung 0,4 mg/d oder 5 mg/Woche oral, ebenso bei terminaler Niereninsuffizienz unter Dialyse.

In der Schwangerschaft 0,4 mg/d oral. Bei normaler Ernährung in vielen Fällen entbehrlich, aber nebenwirkungsfreie und preiswerte Sicherheitsmaßnahme!

Weit wichtiger ist die prä- und postkonzeptionelle Folsäuregabe von 0,4 mg/d. Sie dient nicht der Prophylaxe der bei normaler Ernährung sehr seltenen megaloblastären Anämie, sondern der Senkung der Missbildungsrate, insbesondere von Neuralrohrdefekten wie Spina bifida oder Anenzephalie, die sich je nach Ernährungsgewohnheiten bis zu 50% senken lässt.

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