Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Therapie der Disseminierten intravasalen Gerinnung

Autor/en: M. Steins, J. van de Loo
Letzte Änderung: 22.10.2002

Die Therapie der DIC ruht auf zwei Säulen:

  • Beseitigung der auslösenden Situation und
  • Substitution verbrauchter Substanzen.

Da die übermäßige Gerinnungsaktivierung bei DIC klinisch als Komplikation eines zumeist schweren Grundleidens gewertet werden muss, sollte ein kausaler Therapieansatz die Behandlung der auslösenden Erkrankung soweit wie möglich einschließen.

Die begleitende Substitutionstherapie muss sich in ihrem Ausmaß symptomatisch am Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten sowie am Blutverlust orientieren. Neben Volumenersatz und Transfusion von Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentraten ist angesichts der multipel reduzierten Gerinnungsaktivitäten der Einsatz von "fresh frozen plasma" (FFP) der Gabe reiner Gerinnungspräparate vorzuziehen. Durch dieses Vorgehen wird eine relativ ausgeglichene Substitution der plasmatischen Gerinnung angestrebt. Bei einzelnen, übermäßig erniedrigten Gerinnungsfaktoren kann aber die Anwendung von Faktorkonzentraten (Fibrinogen-, Prothrombinkomplex-Präparate) zusätzlich notwendig werden. Da im Vergleich zu FFPs hiermit ein engeres Spektrum von Gerinnungsfaktoren substituiert wird, sind engmaschige Laborkontrollen zu berücksichtigen, um ein zusätzliches Ungleichgewicht in der Gerinnungskonstellation zu vermeiden. Auch kann grundsätzlich ein fördernder Effekt auf den Verbrauchsprozess nicht ausgeschlossen werden, da besonders Prothrombinkomplex-Präparate auch geringe Mengen aktivierter Faktoren enthalten können.

Darüberhinaus wurden zur Unterbrechung des Verbrauchsprozesses verschiedene Therapieansätze evaluiert. Auch wenn eine sichere Beendigung der unphysiologischen Gerinnungsaktivierung bisher nicht möglich ist, liegen doch positive Daten, besonders für die Beeinflussung der Sepsis-induzierten DIC vor:

Die meisten Studien betreffen hierzu den Einsatz von Antithrombin III (ATIII). Die Rationale der ATIII-Applikation ist es, die pathologische Gerinnungssituation bei der DIC primär durch Neutralisation des überschüssigen Thrombins zu bremsen und die Entzündungsreaktion bei der Sepsis zu hemmen. Neben der ATIII Substitution mit dem Ziel, erniedrigte Aktivitätsspiegel auszugleichen (Zielgröße >70-80%), werden bei der ATIII-Therapie hochdosierte Gaben von 20.000-40.000 IE über 3-5 Tage (Zielgröße >120-140%) appliziert. Die bisherigen Studiendaten legen eine Senkung der Mortalität, eine Verkürzung der intensivmedizinischen Behandlungsdauer und eine geringere Inzidenz von Organversagen nahe [Fourrier F 1993] [Inthorn D 1997] [Baudo F 1998] [Eisele B 1998] [Warren BL 2001]. Die Therapie kann sehr kostenintensiv werden, abschließende Beurteilungen stehen gegenwärtig noch aus.

Neuere positive Erkenntnisse bei der Sepsis-assoziierten DIC liegen für aktiviertes Protein C (24 µg/kg/h über 4 Tage) aus einer Phase-III-Studie mit signifikanter Senkung der Gesamtmortalität bei möglicherweise etwas erhöhtem Blutungsrisiko vor [Bernard GR 2001]. Weitere Erfahrungen sind zur genaueren Beurteilung des klinischen Nutzens notwendig.

Die Applikation von Heparin ist besonders bei Überwiegen der hämorrhagischen Komponente umstritten; ein positiver Effekt ließ sich in größeren Studien nicht belegen. Am ehesten noch ist bei Anzeichen von Mikrothrombosierungen ein vorsichtig zu dosierender Einsatz von Heparin (z.B. 5-10 IE/kg/h) zu erwägen.
Als besonders problematisch erwies sich die Gabe von Heparin während der ATIII-Therapie der Sepsis aufgrund des ansteigenden Blutungsrisikos. Möglicherweise wird auch die anti-inflammatorische Wirkung von ATIII bei der Sepsis durch Heparin bedingte Blockade endothelialer ATIII-Bindungsstellen abgeschwächt.

Auf den Einsatz von Antifibrinolytika zur Einschränkung der Hyperfibrinolyse sollte bei DIC verzichtet werden, da hierdurch intravasal die Ablagerung und der Verbleib von Fibrin gefördert werden kann.

Literaturreferenzen:

  • Baudo F, Caimi TM, de Cataldo F, Ravizza A, Arlati S, Casella G, Carugo D, Palareti G, Legnani C, Ridolfi L, Rossi R, D'Angelo A, Crippa L, Giudici D, Gallioli G, Wolfler A, Calori G.
    Antithrombin III (ATIII) replacement therapy in patients with sepsis and/or postsurgical complications: a controlled double-blind, randomized, multicenter study.
    Intensive Care Med 1998;24:336-42. PM:9609411.
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  • Bernard GR, Vincent JL, Laterre PF, LaRosa SP, Dhainaut JF, Lopez-Rodriguez A, Steingrub JS, Garber GE, Helterbrand JD, Ely EW, Fisher CJ Jr.
    Efficacy and safety of recombinant human activated protein C for severe sepsis.
    N Engl J Med 2001;344:699-709. PM:11236773
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  • Eisele B, Lamy M, Thijs LG, Keinecke HO, Schuster HP, Matthias FR, Fourrier F, Heinrichs H, Delvos U.
    Antithrombin III in patients with severe sepsis. A randomized, placebo-controlled, double-blind multicenter trial plus a meta-analysis on all randomized, placebo-controlled, double-blind trials with antithrombin III in severe sepsis.
    Intensive Care Med 1998;24:663-72. PM:9722035
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  • Fourrier F, Chopin C, Huart JJ, Runge I, Caron C, Goudemand J.
    Double-blind, placebo-controlled trial of antithrombin III concentrates in septic shock with disseminated intravascular coagulation.
    Chest 1993;104:882-8. PM:8365305
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  • Inthorn D, Hoffmann JN, Hartl WH, Muhlbayer D, Jochum M.
    Antithrombin III supplementation in severe sepsis: beneficial effects on organ dysfunction.
    Shock 1997;8:328-34. PM:9361342
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  • Warren BL, Eid A, Singer P, Pillay SS, Carl P, Novak I, Chalupa P, Atherstone A, Penzes I, Kubler A, Knaub S, Keinecke HO, Heinrichs H, Schindel F, Juers M, Bone RC, Opal SM.
    Caring for the critically ill patient. High-dose antithrombin III in severe sepsis: a randomized controlled trial.
    JAMA 2001;286:1869-78. PM:11597289
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