Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Ätiologie des Eisenmangels

Autor/en: H. Heimpel
Letzte Änderung: 30.01.2003

Blutverluste

Bekannte oder unendeckte Blutverlustesind die wichtigsten Ursachen der Eisenmangelanämie. Mit einem Liter Blut gehen etwa 500 mg Eisen, d.h. über 10% des Gesamteisenbestandes des Körpers verloren.

  • Bei Frauen im Menstruationsalter ist die häufigste Ursache ein erhöhter Verlust durch verstärkte oder verlängerte Regelblutungen, die von den Betroffenen selber häufig nicht als abnormal registriert werden. Die Entstehung eines Eisendefizits wird durch eisenarme, z.B. laktovegetabile Diät begünstigt, die für sich allein nicht zu einem Eisenmangel führt. Hinter einer Hypermenorrhoe können sich unterschiedliche Ursachen verbergen (hormonelle Störungen, Myom, Karzinom, Intrauterinpessar u.a.m.). Dagegen führen postmenopausale vaginale Blutungen nur selten zum Eisenmangel, da sie die Patientin frühzeitig zum Facharzt führen.
  • Zur Eisenmangelanämie durch perinatale Blutverluste kommt es vor allem bei Frauen, bei denen sich bereits während der Schwangerschaft ein latenter Eisenmangel entwickelt hatte, der nicht präventiv mit Eisengaben behandelt wurde.
  • Gastrointestinale Blutverluste sind die weitaus häufigste Ursache bei erwachsenen Männern und bei Frauen nach der Menopause. Häufig handelt es sich dabei um okkulte Blutungen! Bereits ein täglicher Verlust von 10 ml Blut kann bei normaler Ernährung in wenigen Monaten zu einem klinisch relevanten Eisendefizit führen.

Eine gründliche, u.U. wiederholte Suche nach der Blutungsquelle ist nicht nur wichtig, um die Blutung zu stillen, sondern vor allem wegen der Gefahren, die von der zu Grunde liegenden Erkrankung selber ausgehen.

Lokalisationen und Ursachen gastrointestinaler Blutverluste

Häufig

Seltener

Hiatushernie

Morbus Osler

Oesophagus-, Magenvarizen

Ménétrier-Syndrom

Magen-Darm-Ulzera

Leiomyome

Magenkarzinom

Angiodysplasien

Hämorrhagische Gastritis

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Kolonkarzinome

Wurminfektionen

Kolondivertikulose

 

Hämorrhoiden

  • Blutungen aus den ableitenden Harnwegen: Hämaturie bei Tumoren der Niere, der ableitenden Harnwege und der Blase, Nieren- oder Blasensteinen. Selten Hämoglobinurie (z.B. mechanische Hämolyse, Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie ).
  • Pulmonale Eisenverluste können bei chronisch-rezidivierenden pulmonalen Blutungen auftreten, so beim Goodpasture-Syndrom, bei Mitralklappenfehlern und bei der essenziellen Lungenhämosiderose. Diagnostisch hinweisend ist der Nachweis eisengefüllter Makrophagen in der Berliner-Blau-Färbung des Sputumsediments.
  • Durch ärztliche Maßnahmen bedingte Blutverluste: Hämodialyse, gehäufte Blutspenden, häufige Labordiagnostik.
  • Medikamente (Salizylate, Antirheumatica, Steroide): hämorrhagische Gastritis.
  • Selbstinduzierte Blutverluste: "Anaemia factitia".

Vermehrter physiologischer Eisenbedarf

Ein vermehrter physiologischer Eisenbedarf in der Wachstumstumsperiode bei Kindern und Adoleszenten führt meist nur in Verbindung mit einseitiger eisenarmer Ernährung zur Eisenmangelanämie. Dasselbe gilt für die Schwangerschaft. Aufgrund der individuell unterschiedlichen Kompensationsbreite der Eisenresorption kommt ein Eisenmangel gelegentlich auch bei "normalen" Ernährungsgewohnheiten vor.

Auch wenn ein durch erhöhten Bedarf bedingter Eisenmangel plausibel erscheint, muss an eine zusätzliche okkulte gastrointestinale Blutung gedacht werden!

Ungenügende Resorption

Ungenügende Resorption findet sich bei:

  • Malabsorption bei Sprue,
  • nach Magenresektion,
  • bei M. Crohn in Verbindung mit okkulter Blutung,
  • bei terminaler Niereninsuffizienz auch unter Hämodialyse.

Eine "idiopathische Resorptionstörung" ist extrem selten. Hinter dieser Diagnose verbirgt sich meist ein nicht erkannter Blutverlust! Bei vergeblicher Suche nach anderen Ursachen muss auch an bizarre Ernährungsanomalien ("Pica") wie Essen von Erde oder Stärke gedacht werden.

Ungenügende Zufuhr

Ohne zusätzliche Faktoren, kommt es auch durch langzeitige laktovegetabile Diät nicht zum Eisenmangel. Dies gilt allerdings nicht für Frauen mit "normalen" Menstruationsverlusten. Deswegen werden in einigen Industrieländern - nicht in Deutschland - Getreideprodukte mit Eisen angereichert. Ganz andere Verhältnisse herrschen in vielen armen Regionen der Erde, bei denen bei Kindern und Frauen im Menstruationsalter sehr schwere Eisenmangelzustände im Rahmen der allgemeinen Unter- und Fehlernährung häufig sind.

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