Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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14 Venenzugänge, Kathetersysteme (Ports): Untertunnelte Katheter

Autor/en: D. Pollmann, S. Schildhauer, D. Lüftner
Letzte Änderung: 25.01.2006

Indikationen:

  • großvolumige Infusionen, täglicher Infusionsbedarf (parenterale Ernährung)
  • gleichzeitige Gabe miteinander nicht kompatibler Substanzen
  • Patienten mit schlechtem Venenzustand
  • Kinder [Herold A 2003]

Vorteile: Zugang immer verwendbar, kein "Nadelwechsel" erforderlich

Nachteile: Der Patient kann nach Abdeckung mit einem wasserdichten Pflaster nur duschen, nicht aber baden oder in die Sauna gehen.

Material: Die Katheter bestehen aus Polyurethan oder Silikon und sind z.T. teflonbeschichtet. Sie sind, je nach den zu verabreichenden Substanzen, 1- bis 3-lumig (z.B. mindestens 2-lumig, wenn die Substanzen miteinander nicht kompatibel sind). Eine Dacronmuffe (antibiotisch imprägniert oder mit Silber behandelt; [Hadaway LC 1995] ), die etwa in der Mitte des untertunnelten Katheteranteils zu liegen kommt, bietet Schutz gegen aufsteigende Infektionen und hat zusätzlich durch Verwachsung mit dem Unterhautgewebe eine mechanische Schutzfunktion. Die am häufigsten implantierten untertunnelten Katheter sind z.B. der sog. Hickman-Katheter (doppelläufiger Katheter mit einem Durchmesser von 1,6 mm; s. Abb. 14.6) und der Broviac-Katheter (1-lumig, Durchmesser von 1 mm).

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Abb. 14.6: Schema eines 2-lumigen untertunnelten Katheters (Hickman-Katheter).

Technik: Die Implantation erfolgt chirurgisch unter sterilen Bedienungen, entweder ambulant unter Lokalanästhesie oder stationär. Die Wahl der Implantationsstelle erfolgt nach denselben Kritereien wie bei einem Portsystem. Der Katheter soll - am besten über die V. subclavia oder die V. jugularis interna - über die V. cava superiora bis zum rechten Vorhof reichen. Die V. jugularis externa kann eine Alternative darstellen. Der Patient liegt auf dem Rücken, den Kopf leicht zur punktionsabgekehrten Seite gedreht. Nach chirurgischer Hautdesinfektion, steriler Abdeckung und lokaler oder totaler Anästhesie erfolgt die Inzision parasternal in Höhe des 3. oder 4. Interkostalraums. Der Katheter, der auf einem dicken Redon-Spieß aufgezogen ist, wird unter der Haut in Richtung Trigonum deltoideopectorale (s. Abb. 14.7) subtotal nach kranial durchgezogen. Dann erfolgen Venenpunktion und Katheterisierung mittels Seldinger-Technik wie bei Anlage eines ZVK [Keller HW 1983] [Cohen AM 1982]. Die korrekte Lage des Katheters wird sofort intraoperativ mittels Bildwandler überprüft, die frische Wunde mit einem sterilen Pflaster bedeckt. Zwei Stunden nach der Anlage erfolgt eine Röntgenaufnahme des Thorax zum Ausschluss eines Pneumothorax.

Supportivtherapie_14_Abb14-7.gif

Abb. 14.7: Schema der korrekten Lage eines Broviac-Katheters.

Pflege: Bei Manipulation am Katheter soll das Ende des Schlauchs, wenn es Luftkontakt hat, immer geschlossen sein, um Luftembolien zu vermeiden. Der Katheter muss mindestens wöchentlich mit 10 ml Heparinlösung (100-1000 IE/ml; Empfehlung des Katheterherstellers berücksichtigen) gespült und nach jeder Benutzung mit dieser Heparinlösung geblockt werden. Das sterile Pflaster ist alle 2-3 Tage nach sorgfältiger Desinfektion und Inspektion der Einstichstelle zu wechseln. Bei Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle muss zentral Blut zur Anlage von Blutkulturen entnommen werden. Bei Infektion des Katheters ist dieser zu entfernen. Nur steriles Material benutzen!

Lagedauer: Bis 2 Jahre

Risiken: Direkt durch den/nach dem Eingriff: arterielle Punktion, Pneumothorax, Hämoto-/ Chylothorax, Verletzung des Plexus brachialis, Herzrhythmusstörungen durch Katheterfehllage, Luftembolie. Nach erfolgter Lage können Thrombosen, Luftembolie, Katheterentzündung, Sepsis, Katheterdislokation, Katheterverstopfung (s. oben, Deblockierungsschema), Katheterbruch und Paravasate (s. Kap. 3) auftreten. Die Gesamtkomplikationsrate liegt bei 20%, davon 60% Infektion und 26% Thrombose. Eine gute Patientenschulung und eine gute Katheterpflege vermindern diese Risiken deutlich.

Literaturreferenzen:

  • Cohen AM, Wood WC.
    Simplified technique for placement of long term central venous silicone catheters.
    Surg Gynecol Obstet 1982;154:721-724. PM:7071709
    [Medline]


  • Hadaway LC.
    Comparison of vascular access devices.
    Semin Oncol Nurs 1995;11:154-166. PM:7481143
    [Medline]


  • Herold A, Rothe K, Woller T, Bierbach U, Bennek J.
    Early and late complications after implantation of central venous catheters.
    Klin Padiatr 2003;215:24-29. PM:12545422
    [Medline]


  • Keller HW, Muller JM, Pichlmaier H.
    "Peel away introducer" - a new technic for implantation of central venous catheters for long-term parenteral feeding.
    Infusionsther Klin Ernahr 1983;10:79-81. PM:6407993
    [Medline]


Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"
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