Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Immunsuppressive Therapie bei aplastischer Anämie

Autor/en: H. Heimpel, H. Schrezenmeier
Letzte Änderung: 21.01.2004

Tripeltherapie

Immunsuppressive Verfahren werden unter der Vorstellung einer immunologisch vermittelten Hemmung der hämopoetischen Stammzellproliferation eingesetzt. Wirksam ist Antilymphozytenglobulin und/oder Cyclosporin A in Kombination mit Kortikoiden. Damit wird in 70-80% eine Besserung bis zur vollständigen Remission erreicht.

Die mittlere Zeit zwischen Beginn der immunsuppressiven Therapie und beginnender Rekonstitution der Hämopoiese beträgt in Studien 2-3 Monate. Wegen des häufig verzögerten Ansprechens, sollte die Bewertung des Therapieerfolges erst nach 4 Monaten erfolgen. Bei etwa 40% der erfolgreich behandelten Patienten kommt es zum Rezidiv. Bei 10-20% manifestiert sich nach Jahren eine klonale Erkrankung der Hämopoese, vor allem eine paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie oder eine Myelodysplasie mit späterem Übergang in eine akute myeloische Leukämie.

Die wirksamste immunsuppressive Therapie nach derzeitigem Stand kontrollierter Studien ist die Tripeltherapie nach folgendem Schema:

Tripeltherapie zur Behandlung der aplastischen Anämie
MedikamentAnwendung
Antilymphozytenglobulin 0,75 ml/kg KG, i.v. Tag 1-5 *
Methylprednisolon 1 mg/kg KG, i.v. Tag 1-14
danach ausschleichen bis Tag 29
Cyclosporin A 5 mg/kg KG, oral,
im Verlauf Dosiskorrektur entsprechend CsA-Spiegeln (langfristig: polyklonaler Assay 200-500 ng/ml, monoklonaler Assay 80-200 ng/ml),
Dauer mindestens 4 Monate
* Dosisangabe bezieht sich auf Lymphoglobulin® (Sangstadt), welches in vielen europäischen Multicenter-Studien zur Therapie der aplastischen Anämie eingesetzt wurde. Ein anderes ATG, welches in Deutschland für die Behandlung der aplastischen Anämie zugelassen ist, ist Thymoglobulin® (Sangstadt). Es gibt weitere kommerziell verfügbare ATG-Präparationen, deren Zulassung in der Bundesrepublik Deutschland sich jedoch nicht auf die Indikation "aplastischen Anämie" bezieht. Die immunsuppressive Potenz der verschiedenen Immunglobuline ist unterschiedlich, weshalb Dosierungsangaben nicht zwischen den Präparaten übertragbar sind, sondern jeweils nach Empfehlungen des Herstellers bzw. Dosisempfehlungen aus kontrollierten Studien für das jeweilige Präparat dosiert werden muss.

Weitere Möglichkeiten der Pharmakotherapie

Immunsuppressive Monotherapie mit Cyclosporin A

bei Kontraindikationen oder Unverträglichkeit für Antilymphozytenglobulin. Die Ansprechrate auf eine Ciclosporin-Monotherapie sind deutlich schlechter als die der oben beschriebenen Triple-Therapie aus ATG, Ciclosporin und Steroiden. Alter per se ist keine Kontraindikation für eine kombinierte Therapie aus ATG und Steroiden.

Androgene

Androgene bei MAA ohne Gefährdung durch schwere Zytopenie: z. B. Metenolon, 2 mg/kg Körpergewicht oral über mindestens 3 Monate.

Nicht sicher etablierte oder experimentelle Therapieformen bei Versagen der Standardtherapie

Bei Versagen der Standardtherapie kommen folgende nicht sicher etablierte oder experimentelle Therapieformen in Frage:

  • Immunsuppression mit Cyclophosphamid (Endoxan®),
  • Fremdspender-Stammzelltransplantation,
  • Hämopoetische Wachstumsfaktoren,
  • Kombination von Wachstumsfaktoren mit einer immunsuppressiven Therapie.

Konventionelle Kortikoiddosen sind bei aplastischer Anämie nicht wirksam. Über längere Zeit sollten Kortikoide nicht gegeben werden, da dies das Auftreten infektiöser Komplikationen fördert.

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